Flüchtlingshilfe in Wandlitz

Runder Tisch Willkommen

So fing alles an: Die Protestversammlung vom 5.11.2013 ( Bericht in der MOZ)

Dezentrale Unterbringung favorisiert

Wandlitz (MOZ) Die Einrichtung eines Asylbewerberheims in Internat des ehemaligen Oberstufenzentrums erregt derzeit die Gemüter in Wandlitz. Daher war die Einwohnerversammlung am Montagabend, zu der die Gemeinde eingeladen hatte, entsprechend gut besucht.

Nahezu 400 Wandlitzer waren in den „Goldenen Löwen“ gekommen. Den Fragen der Bürger stellten sich Landrat Bodo Ihrke (SPD), Peter Vida, Vorsitzender des Beirates für Migration und Integration des Kreises, Barnims Solzialdezernentin Sylvia Ulonska sowie die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant.

Zum 15. November werden dem Kreis 24 Asylbewerber zur Unterbringung zugewiesen. Im Monatstakt geht es dann in gleicher Größenordnung weiter. Mit der letzten Gruppe von 23 Flüchtlingen zum 15. Februar werden es insgesamt 94 Asylbewerber sein, die neu in den Barnim kommen. Vorerst 50 sollen im Übergangsheim in Wandlitz eine Bleibe finden.

Das daraus resultierende Spektrum der Fragen am Montagabend war breit. Zwei Gruppen kristallisierten sich unter den Wandlitzern heraus. Die eine verbindet die zentrale Unterbringung von Menschen fremder Kulturen mit steigender Kriminalität und der Sorge um das eigene Hab und Gut. Die andere ist entschlossen, das Recht auf Asyl zu respektieren und Wandlitz als Ort zu präsentieren, in dem Fremdenfeindlichkeit keine Chance hat. Einig sind sich alle darin, dass der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern unbedingt der Vorzug zu geben ist.

Das brachte Landrat Bodo Ihrke jedoch in eine schwierige Lage. Als mehrere Fragesteller wissen wollten, welche Anstrengungen er unternommen habe, um genügend Wohnungen für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, musste er sich auf die geltende Gesetzeslage zurückziehen, die für Asylbewerber zunächst eine Gemeinschaftsunterbringung vorsieht. Dort würden die besten Bedingungen bestehen, die Menschen an die Hand zu nehmen und sie mit ihrer neuen Umwelt vertraut zu machen, sagte Ihrke. Natürlich strebe der Landkreis an, diese Spanne kurz zu halten, doch die „Lebenswirklichkeit zeigt, dass dies manchmal fünf Jahre und länger dauern kann“, machte er deutlich. Zudem würden viele Asylbewerber selbst die Heimunterbringung befürworten, auch, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig seien.

„Ich akzeptiere aber nicht, wenn man sagt, die wollen gar nicht in eine Wohnung“, hielt Péter Vida dem Landrat unter dem Beifall vieler Wandlitzer entgegen. Gleichzeitig schloss er eine Heimunterbringung nicht gänzlich aus. Das Heim könne mit seinen Angeboten Anlaufpunkt für Asylbewerber sein, die bereits in Wohnungen leben, sagte er.

Wenn denn ein Heim in Wandlitz unvermeidlich sei, so müsse es eine entsprechende Betreuung durch Sozialarbeiter und Dolmetscher geben, forderten mehrere Redner aus dem Publikum. „Ein belastbares Konzept unter Wandlitzer Mitwirkung“ und dazu ein Budget, über das die Bürger mitbestimmen können, will beispielsweise der Bündnisgrüne Stefan Böhmer.

Wirbt um Verständnis: Der Basdorfer Mathis Oberhof (am Mikrofon) regt an, dass sich die Wandlitzer bei der Betreuung der Flüchtlinge selbst einbringen.

(Im Hintergrund rechts: Mitglieder der NPD) © ULLI WINKLER

Mathis Oberhof aus Basdorf warb vor allem um Verständnis für die Flüchtlinge. Er erinnerte unter anderem daran, dass zwischen 1988 und 2011 fast 17 000 Menschen auf der Flucht von Afrika nach Europa im Mittelmeer zu Tode gekommen sind. Zum Teil unter Pfiffen, aber auch unter viel Beifall forderte er die Wandlitzer auf, sich bei der Betreuung der Flüchtlinge zu engagieren. Er sei beispielsweise bereit, kostenlos Deutschunterricht zu geben, sagte der Basdorfer.

Den meisten Anwesenden im Saal war es wichtig, nicht als fremdenfeindlich zu gelten. So kam fast am Ende der Einwohnerversammlung die Forderung eines älteren Mannes, „die Zuwanderung zu stoppen“ und der Beifall einer kleinen Gruppe von NPD-Anhängern dafür gar nicht gut an. Bürgermeisterin Jana Radant reagierte prompt und konsequent: Sie machte von ihrem Hausrecht Gebrauch.
http://www.die-mark-online.de/details/dg/0/1/1053010/
 
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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am November 8, 2012 von in Presseartikel und getaggt mit , , , , .
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