Flüchtlingshilfe in Wandlitz

Runder Tisch Willkommen

(MOZ vom 20.5.13) Wandlitzer stehen zum Flüchtlingsheim

OLAV SCHRÖDER 20.05.2013 19:41 UHR

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Wandlitz/Bernau (MOZ) Ein Werbe-Lkw der NPD ist am Pfingstsonnabend auf seinen drei Stopps in Bernau und Wandlitz von Bürgern mit Pfeifkonzerten empfangen worden. In Wandlitz stellten sich die Bürger schützend vor das Asylbewerberheim. An allen drei Orten wurde die Reden der NPD-Aktivisten durch Sprechchöre, Pfeifen und Lieder übertönt. Mit fröhlichem Gesang und bunten Blumen im Haar, mit Kopfbedeckungen vom orientalischen Fes bis zum fernöstlichen Reishut und im Kaftan empfingen Bürger den Lkw am Bahnhof Wandlitzsee. Noch kurz vor Pfingsten hatte die NPD drei Veranstaltungen in Bernau und Wandlitz angemeldet. Doch prompt waren am Sonnabendvormittag in Bernau rund 100 Menschen und in Wandlitz etwa 250 zusammenzukommen, um gegen menschenfeindliche Ideologien, Rassismus, Intoleranz und Ausgrenzung einzutreten. Die drei Stopps der rund 15 NPD-Aktivisten am Marktplatz in Bernau, am Bahnhof Wandlitzsee und am Asylbewerberheim in Wandlitz verliefen nach dem gleichen Muster. Im Mittelpunkt standen Reden, teilweise auf der Ladeklappe des Lkw gehalten, die in Bernau wie in Wandlitz von Trillerpfeifen, Fanfaren, Ratschen, Chorgesängen und Sprechchören wie „Haut ab“ und „Nazis raus“ oder Zurufen wie „Euch brauchen wir hier nicht“ übertönt wurden. „Das war ein voller Erfolg“, resümierte Elke Keil vom Bündnis für Toleranz in Bernau, nachdem die Reden angesichts der Trillerpfeifen, Sprechchöre und der Musik, die aus Fenstern schallte, nicht zu hören waren. Auch als der Lkw zu seinem letzten 45-minütigen Stopp vor dem Wandlitzer Übergangswohnheim eintraf, wurde er von vielen Wandlitzern, von Chorgesang und Trillerpfeifen empfangen. Mathis Oberhof vom Runden Tisch der Toleranz und ein Bewohner des Heims standen Arm in Arm vor der Eingangstür und sangen gemeinsam mit mehr als 200 Wandlitzern „We shall overcome“. „Viele von uns waren selbst mal Flüchtlinge“, erklärte der 76-jährige Christian Nakonz aus Wandlitz und fügte hinzu: „Und wir waren froh, wenn wir woanders herzlich aufgenommen wurden.“ – „Refugees welcome/Flüchtlinge willkommen“ war auf vielen Plakaten zu lesen. Im Vorfeld hatte der Runde Tisch mit den rund 50 Bewohnern, die seit Anfang dieses Jahres in dem Flüchtlingsheim leben, gesprochen und die Situation erklärt. Kleine Kinder waren von der evangelischen Kirchengemeinde zu einem Spielvormittag abgeholt worden. Er sei stolz auf die Wandlitzer, die die so kurzfristig zu treffende Entscheidung zum Übergangswohnheim „so positiv umgesetzt haben“, und zwar im Wissen, dass vielleicht auch welche kommen, die andere Menschen ausgrenzen wollen, sagte Landrat Bodo Ihrke (SPD). Neben dem Landrat traten in Bernau beziehungsweise Wandlitz Landtagsabgeordnete wie Britta Stark und Michael Luthardt, Bürgermeister, Ortsvorsteher, Stadtverordnete und Gemeindevertreter ebenso wie viele Bürger aus Vereinen und Verbänden für ein tolerantes Miteinander ein. Die Polizei vor Ort bescheinigte den Bürgern ein kooperatives Verhalten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Mai 20, 2013 von in Presseartikel.
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