Flüchtlingshilfe in Wandlitz

Runder Tisch Willkommen

MOZ (20.1.2014) über das 2. Bürgerbegegnungsfest

Willkommen in Wandlitz

Wandlitz (MOZ) Wandlitz hat sich gewandelt und eine ganz besondere Willkommenskultur entwickelt: Als vor einem Jahr die ersten Flüchtlinge in ein Asylbewerberheim einzogen, gab es noch viele Ängste vor den neuen Nachbarn. Inzwischen gehören sie zur Normalität. Am Sonnabend wurde das zweite Bürgerbegegnungsfest gefeiert.

Der Ort, den sich die Organisatoren für das bunte Zusammentreffen ausgesucht haben, steht symbolisch für das, was in der Gemeinde Wandlitz in den vergangenen Monaten passierte. Denn genau in dem großen Saal im alten Dorfkern fand vor reichlich einem Jahr eine Veranstaltung statt, die vor allem Mathis Oberhof nie vergessen wird. In aufgeheizter Atmosphäre diskutierten damals erboste und aufgeregte Bewohner über die Fremden, die plötzlich in ihrem beschaulichen Ort untergebracht werden sollen. „Die Stimmung war von Angst, Hass, aber auch Ungewissheit geprägt. Viele befürchteten, ihrer Eigenheime würden nun angegriffen und die Grundstückspreise sinken“, erinnert sich der in Basdorf lebende Mathis Oberhof.

Er gehörte damals zu den Wortführern der Bürgerversammlung und schaffte es, zumindest einige Ängstliche aufzurütteln. Denn schon einen Tag nach dieser aufregenden Sitzung meldeten sich bei ihm die ersten engagierten Bürger und boten ihre Hilfe an.

Wenige Tage später wurde der Runde Tisch der Toleranz initiiert, in dem sich alte und junge Wandlitzer, Kirchenangehörige und Politiker zusammenschlossen. „Wir wollten die Flüchtlinge willkommen heißen, sie auf ganz unterschiedlichen Gebieten unterstützen, aber sie auch aktiv zur Mitwirkung animieren“, fasst Mathis Oberhof zusammen, der von nun an die Aktivitäten des Runden Tisches koordinierte.

Als er am Sonnabend auf der Bühne im großen Saal des „Goldenen Löwen“ steht und das Fest eröffnet, verkündet er stolz: „Unsere Gemeinde ist reicher und bunter durch die neuen Mitbürger geworden und wir haben alle davon profitiert.“ Und dann fordert er die mehr als 300 Gäste auf, die süßen und deftigen Speisen, die von den Asylbewerbern zubereitet wurden, zu probieren.

Auf einem langen Buffet stehen Torten und Kuchen, Salate sowie Chili con Carne von Beni, ein Fleisch-Gemüse-Topf, den Mahamat zusammenstellte oder die gebackenen Fladen von Simon. Auch die tschetschenische Familie, für die sich der Runde Tisch monatelang einsetzte, damit sie wieder zusammenkommt, brachte eine Süßspeise mit. „Das Fest gefällt uns sehr“, sagt der kleine Magomed.

Die meisten Besucher sitzen an langen, festlich gedeckten Tischen, plaudern angeregt und verfolgten das abwechslungsreiche Bühnenprogramm. Neben der Folkloregruppe Rumpelstolz treten auch der Chor Jubilate und die Band des Wandlitzer Gymnasiums auf. Den Höhepunkt bildet aber die Premiere des Films „Willkommen“. Regisseur Bernd Sahling hat den Streifen mit Basdorfer Grundschülern gedreht. Die Mädchen und Jungen waren unter anderem dabei, als einige Flüchtlinge die ersten deutschen Wörter lernten. Gefilmt wurde ebenso in der Spendenhalle, während einer Nazi-Demo und in der Fahrradwerkstatt. „Mich hat die Offenheit der Asylbewerber überrascht“, sagt die elfjährige Maike. Für Nele sei es am schwierigsten gewesen, sich Fragen zu überlegen. Bei der Verständigung mit den Flüchtlingen halfen Dolmetscher. Maikes Mutter hat festgestellt, dass ihre Tochter durch die Filmarbeit „jetzt mit noch offeneren Augen durch die Welt geht“.

Nach der 35-minütigen Premiere gab es lang anhaltenden Beifall. Die meisten empfanden den Film sehr authentisch und waren emotional berührt.

Bernd Sahling nahm mit Freude die Ankündigung des Brandenburger Wirtschaftsministers Ralf Christoffers entgegen, der versprach, sich dafür einzusetzen, dass die geplante Herstellung von DVDs dieses Films gefördert wird.

Voneinander lernen: Dass das auch kulinarisch geht, wurde beim internationalen Büfett klar, das die Teilnehmer des Begegnungsfestes in Wandlitz gemeinsam gestalteten. Hier konnte man sich quer durch viele Kontinente schlemmen.© ULLI WINKLER

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 20, 2014 von in Presseartikel.
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