Flüchtlingshilfe in Wandlitz

Runder Tisch Willkommen

MOZ v.3.1.15: Musik spiegelt Sehnsucht nach einer heilen Welt. Omars Schicksal

omar am 3. BBF

Wandlitz (MOZ) So vielseitig wie der Barnim sind auch seine Menschen. In unserer Serie wollen wir Gesichter des Barnims vorstellen. Bekannte und unbekannte, aber alle haben sie interessante Geschichten zu erzählen. Heute: Omar Fantastic

Immer mehr Wasser dringt in das für 70 Personen viel zu kleine Boot. Die Menschen, unter ihnen Omar mit seiner Cousine und einigen Freunden, versuchen voller Panik es auszuschöpfen, sehen, dass es ihnen nicht gelingen wird. Kurz bevor die Angst über Hand nimmt, fängt Omar an zu singen. Es fällt ihm plötzlich ein, dass das seine Schicksalsgenossen von ihrer Verzweiflung ablenken könnte. Und es klappt, sie beruhigen sich etwas. Natürlich hat nicht sein Gesang die Menschen gerettet, sondern ein italienisches Schiff. Aber das Singen hat allen geholfen. Bis heute wünscht sich der 24­Jährige eigentlich nichts weiter als zu singen und Klavier zu spielen. Am liebsten in einer Band, einige Songs hat er auf You tube zu stehen. Dabei war der aktuelle Anlass für seine Flucht ­ so unvorstellbar das ist ­ eben seine Liebe zur Musik.
Omars Heimatstadt ist Bilobarde in der Nähe von Beledweyne, der Hauptstadt des Distriktes Hiran in Zentralsomalia. Er schwärmt von der großen Brücke über den Fluss Shabeelle, es ist eine fruchtbare Gegend, die Menschen hier leben in erster Linie vom Gemüseanbau. Aber er hat es schwer in seiner Familie, in der Schule und seinem Clan der Tumaal Gabooye, denn Omar kam unehelich zur Welt. „Egal welcher Clan, alle lehnen solche Menschen ab, obwohl der neue Mann meiner Mutter mich adoptiert hat“, erzählt er. Bis 2006 ging er auf eine kleine private Schule, doch durch die vielen Gefechte war der Weg dorthin oft unpassierbar. Bis zu seiner Flucht lebte er zu Hause wie auch seine jetzt 18­jährige Schwester. Er erzählt was viele Afrikaner berichten: „Als Single kannst du in der moslemisch­somalischen Gesellschaft nicht leben. Das ist nicht vorgesehen.“
Aber ein paar Freunde hat Omar, mit denen er schon als sehr junger Mann Musik macht. Dabei leben sie auf in der restriktiven regierungslosen Gesellschaft, in der Musik und jede Art von Spaß durch die Al Shahab­Milizen, die die Stadt übernommen haben, verboten sind. Bei einer Hochzeit spielen sie heimlich, doch die Miliz bekommt es mit. Sie kommt mit Waffen und vertreibt die jungen Musiker. Auf Omar wird geschossen. Noch nachts flüchtet er in das Haus eines Freundes und zwei Tage später aus der Stadt.
Das war im Februar 2010.
Mit der Hilfe eines Nachbarn führt ihn seine Odyssee innerhalb eines Jahres über Karthum, Hauptstadt des Sudan, nach Adis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, und weiter nach Tripolis. Dort werden er und seine Freunde oft geschlagen. „Die Libyer mögen keine Schwarzen“, meint er lakonisch. Aber sie schaffen es bis in ein UNHCR­Camp nach Tunesien.
Dann ruft ihn seine Mutter an, er solle eine Cousine aus Mogadischu, die inzwischen auch in Tripolis gelandet war, nach Tunesien holen. Natürlich tut er das ­ als beide zurück kommen, ist die Grenze dicht. Also suchen sie sich ein Boot nach Lampedusa, für beide zusammen kostet es 400 Dollar, die sich Omar zuvor durch Jobs verdient hat.
Nach nur einer Nacht im Camp werdender junge Somali und ein paar Freunde per Schiff nach Mailand geschickt. Aber dort will man sie nicht haben und so fahren sie weiter nach Kopenhagen, wo Omar sieben Monate in einem Heim verbringt. Während ein älterer Freund in Dänemark Aufenthaltsrecht bekommt, soll Omar nach Italien zurückgeschickt werden. Doch das will er nicht.
Im August 2013 kommt der Somali in Deutschland an. Über das Zentrale Aufnahmeheim in
Eisenhüttenstadt landet er schließlich im Übergangswohnheim in Wandlitz. Hier gefällt es ihm. „Vor allem die Leute sind nett“, sagt er. Wenn da nur nicht das Damoklesschwert der Rückführung über ihm schweben würde… Wie viele seiner Leidensgenossen sagt Omar: „Ich weiß nicht was ich hoffen darf. Manchmal bin ich ganz schön durcheinander!“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 3, 2015 von in Presseartikel.
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