Flüchtlingshilfe in Wandlitz

Runder Tisch Willkommen

ND v. 23.12.2014: Gemütliche Stunden im Flüchtlingsheim

Ministerpräsident besucht in Wandlitz Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer

In Wandlitz sind Flüchtlinge inzwischen willkommen. Wenn es überall so gut laufen würde, dann gäbe es keine Probleme.

woidke wandlitz kinder

Als Flüchtlingsfamilie sind sie ins Asylheim in Wandlitz (Barnim) gekommen. Anders als ihre Mutter kann die kleine Rebecca schon ganz gut Deutsch. Sie hat sich die Sprache selbst beigebracht, indem sie Fernsehen schaute. Das Mädchen möchte aber noch viel mehr lernen. Ihre dringendste Frage: »Wann darf ich endlich in die Schule gehen?«

Auch Simon hat schon ordentlich gepaukt. Um Deutsch zu lernen, fährt er nach Berlin. Wenn der junge Schwarze die Sprache noch besser beherrscht, möchte er ein Handwerk erlernen, gern Garten- und Landschaftsbau oder Elektromonteur. Hier leben und arbeiten, das ist Simons Wunsch.

»Keiner möchte gern Almosen«, weiß Peter Liebehenschel, Ortsvorsteher von Basdorf, das zur Gemeinde Wandlitz gehört. Im Sommer haben Asylbewerber schon geholfen, den Rasen zu mähen, Basdorf zu pflegen und zu verschönern. Ein Unternehmer wollte zwei Flüchtlinge sogar einstellen. Doch dies habe die Arbeitsagentur damals leider nicht erlaubt. Bloß gut, dass die strengen Bestimmungen inzwischen gelockert worden sind.

Am Montagmorgen besucht Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das Asylheim an der Bernauer Chaussee. Er hat die anfänglichen Diskussionen und die Entwicklung dieser Unterkunft verfolgt und hält die Ereignisse für »exemplarisch«. Als im November 2012 die Absicht verkündet wurde, hier ein Flüchtlingsheim einzurichten, fürchteten sich viele Nachbarn vor Kriminalität und einem Wertverlust ihrer Grundstücke.

Es habe die größte Einwohnerversammlung gegeben, die Wandlitz je gesehen habe, erinnert sich Bürgermeisterin Jana Radant (parteilos). Doch dann kamen die Männer, Frauen und Kinder – keine anonyme Masse, sondern Menschen, denen die Bürger von Wandlitz in die Augen schauen konnten. »Die Vernunft, die hat gesiegt«, sagt Diakon Peter Dudyka, der sich wie viele andere beim Runden Tisch »Willkommen« engagiert.

In der Regel bleiben die Flüchtlinge drei Monate, orientieren sich erst einmal und ziehen dann in eine Wohnung. Manche finden jedoch Freunde in der Bernauer Chaussee und es gefällt ihnen so sehr in dem Heim, dass sie dort bleiben möchten, erzählt Landrat Bodo Ihrke (SPD). Wenn es überall so gut klappen würde wie in Wandlitz, dann gäbe es überhaupt keine Probleme bei der Aufnahme von Flüchtlingen, denkt er.

Der Runde Tisch kümmert sich. Es werden Fahrräder besorgt und repariert. Es werden Kleidungsstücke und Haushaltsgegenstände gespendet. Es wird zusammen gekocht, gelernt, gespielt und gesungen. »Alle sind freundlich«, lobt Simon, der so gern Handwerker werden will. Für den Anfang wäre ein Praktikum gar nicht schlecht. Auch anderen Flüchtlingen könnte so geholfen werden.

Ministerpräsident Woidke verspricht, bei der nächsten Gelegenheit sowohl die Handwerkskammern als auch die Industrie- und Handelskammern darauf anzusprechen. Dann schimpft er noch einmal über die selbst ernannten Retter des christlichen Abendlandes vor angeblicher Islamisierung. Die Pegida-Demonstranten in Dresden, sie ärgern den Regierungschef, der selbst evangelischen Glaubens ist. Wer es mit dem Christentum rechtfertigen wolle, Flüchtlingen die Hilfe zu verweigern, »der muss eine andere Bibel haben als ich«, sagt Woidke. Er ist froh, dass in Brandenburg nach den schlimmen ausländerfeindlichen Ausschreitungen der 1990er Jahre, die das Bundesland in Verruf brachten, nun eine so starke Zivilgesellschaft besteht. Trotzdem macht sich der Ministerpräsident auch ein wenig Sorgen wegen der Stimmungsmache. Nicht, dass am Ende wieder Asylheime angezündet und Ausländer erschlagen oder zu Tode gehetzt werden, wie dies in Eberswalde und Guben geschehen war.

Die Rede kommt auch auf Falschinformationen über eine vorgebliche Asylantenflut. Landrat Ihrke ließ Schüler einmal schätzen, wie viele Ausländer eigentlich im Barnim leben. 40 oder gar 60 Prozent waren die Zahlen, die er zu hören bekam. Dabei kommen auf 173 000 Einwohner im laufenden Jahr lediglich 490 Asylbewerber.

Diakon Dudyka betont, »dass wir uns nicht unterkriegen lassen«. Die Stimmung ist gut in Wandlitz. Es wird viel gelächelt und gelacht. Irgendwann mahnt ein Mitarbeiter: »Herr Ministerpräsident, wir müssen gehen.« Woidke mault: »Immer, wenn es gemütlich wird.« Schnell macht er noch eine Erinnerungsfoto mit der kleinen Rebecca. Sein Personenschützer schießt das Bild mit dem Handy des Mädchens. Und auch für eine Partie Kicker mit Mona findet Woidke noch Zeit. Die junge Frau trainiert bei einem örtlichen Verein Fußball. Mona ist damit ein weiteres Beispiel für gelingende Integration.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 3, 2015 von in Presseartikel.
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