Flüchtlingshilfe in Wandlitz

Runder Tisch Willkommen

Flüchtlingsschicksale mitten unter uns: Von Ashas Angst um ihre Kinder

somaila dpaSie kommen aus Somalia, Eritrea, Tschad, Libyen, Sudan, Syrien, Palästina, Pakistan oder Kenia, aus Tschetschenien oder Albanien. Sie flüchten vor Kriegen, Verfolgung, Diskriminierung, vor Krankheit und Not aus ihren Heimatländern nach Deutschland. Sie erreichen unser Übergangswohnheim in Wandlitz nach einer entbehrungs-
reichen, oft gefährlichen Odyssee durch mehrere Länder. Ihre Hoffnung ist es, hier Frieden zu finden und menschenwürdig leben zu dürfen. Einst geplant für 70 Flüchtlinge, wohnen inzwischen im Gebäude der ehemaligen Wandlitzer Fachschule für Sozialberufe bis zu 100 Asylbewerber.

Und Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte – Asha aus Somalia erzählte uns die ihre:

Mitten in Zepernick in der Nähe der Kirche steht ein Gedenkstein. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht darauf. Noch kann Asha das nicht lesen. Aber die 27jährige Frau in dem bunten Gewand lernt zum ersten Mal in ihrem Leben Lesen und Schreiben – lateinische Schrift und deutsche Sprache. Stolz und mit einem kleinen Lächeln wiederholt sie die letzte Lektion. Es ist das einzige Lächeln während unseres Gesprächs. Ruhig und sachlich berichtet sie aus ihrem bisherigen Leben und von der Flucht aus Somalia.
Asha ist eine Gaboye, was bedeutet, lebenslang mit Demütigungen konfrontiert zu sein. Dieser Clan stellt eine Minderheit dar, die von allen anderen Clans verachtet wird. Kein Gaboye, egal ob Mann oder Frau, darf zur Schule gehen, Mischehen sind verboten. Niemand kauft ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Ashas Vater ist Schuhmacher und übt damit einen der wenigen erlaubten Berufe aus, zu denen noch Friseur und Schlachter gehören.
In den Wirren des Bürgerkrieges wurde ihre Familie getrennt. Asha hatte das Glück, von einer anderen Familie aufgenommen zu werden. Die konnte allerdings nichts dagegen tun, dass sie von der Familie, für die sie arbeitete, entführt und zwangsverheiratet wurde. Da war sie 17, der Mann etwa 40 Jahre alt, krank und brutal. Ihre Pflegefamilie wurde von ihm ebenso mit dem Tode bedroht wie sie selbst, sollte sie sich in irgendeiner Weise widersetzen. Sie bekam drei Kinder von ihm, zwei Jungen, ein Mädchen, jetzt im Alter von neun, vier und sieben Jahren. Nie durfte sie das Haus verlassen. „Alle Türen wurden abgeschlossen, wenn die Familie mal wegging“.
In einer Nacht im November 2011 vergaß ihr Mann abzuschließen. Sie band sich den Kleinsten auf den Rücken und flüchtete mit allen drei Kindern zu ihrer Pflegefamilie, die sie in ein Haus außerhalb der Stadt brachte. Der war es auch gelungen, Ashas richtige Mutter und Großmutter wiederzufinden, die die Kinder mit nach Kismaayo, südlich von Mogadischu, nahmen. Sie gaben der jungen Frau Geld für die Flucht. Diese führte sie über den Sudan nach Libyen. Erst beim dritten Versuch im Oktober 2012 gelang die Flucht mit dem Boot nach Italien, die beiden Male vorher wurde sie geschnappt. „Ich wollte nur weit weg von Zuhause, egal in welches Land!“, sagt Asha. Sie stellte ihren Asylantrag und kam für einige Monate in einem Auffanglager unter. Aber dann ging es ihr wie allen Flüchtlingen in Italien: Sie wurde auf die Straße gesetzt. Sie bettelte sich bis Gießen durch und kam über Eisenhüttenstadt nach Wandlitz und Zepernick.
„Ich wünschte, ich hätte wenigstens Fotos von meinen Kindern“. Sie sind ihre größte Sorge, denn seit drei Monaten hat sie keine Informationen mehr. Die Nachbarsfamilie ihrer Mutter, bei der sie wöchentlich anruft, sagte, alle lebten nicht mehr in dem Haus. Seitdem kann sie nicht mehr schlafen und will sich lieber nicht vorstellen, was mit ihrer Mutter, Großmutter und den Kindern passiert sein könnte. Auch sie in ein friedliches Leben holen zu können, scheint in eine weite Ferne gerückt zu sein angesichts des deutschen Ablehnungsbescheides ihres Asylantrages.

Text: H. Kickel Andrae; Foto: dpa

Ein interessanter weiterführender Link: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge.html

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juli 19, 2015 von in Uncategorized.
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